Lofoten Links - True Links, Raw Nature

Die norwegischen Lofoten, oberhalb des Polarkreises gelegen, sind seit vielen Jahren eine bei Touristen beliebte Destination. Vor allem Naturliebhaber genießen hier im Sommer die weissen Nächte der Mitternachtssonne, im Winter locken die Polarlichter die Besucher. Doch seit 1998 haben auch Golfer einen Grund, in den hohen Norden zu reisen. Sein Name: Lofoten Links. „Challenge accepted“ steht in großen Lettern an der Wand des Restaurants im Clubhaus, und in der Tat ist der Platz eine fantastische Challenge für Golfer aller Spielstärken. Der Platz, der mit der US-amerikanischen Troon-Gruppe kooperiert, wurde bewusst nicht speziell für Longhitter konzipiert, sondern stellt das Course Management in den Mittelpunkt. Da kann man schon einmal ein bis zwei Runden benötigen, um die richtige Spielstrategie zu finden und die Anzahl der verloren gegangenen Bälle spürbar zu reduzieren.

 

Die Anreise auf die Lofoten ist von Deutschland aus leider ein wenig mühsam – Direktflüge gibt es leider nicht, der zentrale Lofoten-Flughafen Leknes kann nur mit Umsteigen erreicht werden und ist vergleichsweise hoch tarifiert. Die beste Option ist daher meist, über Oslo nach Narvik/Evenes zu fliegen und von dort mit dem Mietwagen in rund drei Stunden zum Lofoten Links zu fahren. Wer den Platz und das Ambieten vollends genießen möchte, sollte in den rund 1 Kilometer vom Platz entfernten Lofoten Links Lodges übernachten – kleine Häuser im landestypischen Stil, die jeweils drei Zimmer mit 4 Betten und privatem Bad beinhalten. Zudem steht pro Lodge ein gemeinsam genutzter Wohnraum samt Küche zur Verfügung, auch eine große Terrasse gehört zur Ausstattung. Vor allem im Zeitraum von Ende August bis Ende September kann man so die perfekte Nord-Kombination genießen: tagsüber eine Runde auf dem Lofoten Links, abends dann Polarlichter schauen. Da die Anlage im Norden der Lofoten liegt und frei von Licht-Smog ist, hat man beste Aussichten auf dieses Naturschauspiel – und muss seine Lodge zur Beobachtung meist noch nicht einmal verlassen! Wer lieber campt, kann dies auf einem schönen Platz direkt am Strand in Hov genießen. Und sowohl Lodge- als auch Campinggäste haben die Möglichkeit, die tonnenförmige Strandsauna zu mieten und nach dem Schwitzen ins kalte Nass des Nordmeers einzutauchen.

 

Die ersten sechs Bahnen des Platzes wurden bereits 1998 fertiggestellt. Seit rund 5 Jahren ist die Anlage nun ein kompletter 18-Loch-Platz – und kann zur Zeit der Mittsommernacht 24 Stunden am Tag gespielt werden! Erste Anlaufstation ist das Clubhaus, das auch ausgezeichnete Leihschläger bietet. Auch, wer sich spontan für eine Runde entscheidet, kann somit aufteen. Handschuhe, Bälle, Tees und mehr gibt es natürlich ebenso wie verschiedene Logowaren. Der Par 71-Platz bietet pro Spielbahn vier Abschläge und spielt sich somit zwischen 4.216 und 6.092 Metern. Anders als in Deutschland sind die Teeboxen nicht farblich markiert, sondern tragen die ersten beiden Ziffern der Gesamtlänge, also die hintersten Abschläge 61, dann 55, 48 und 42. So kann man seine Runde leicht der individuellen Schlaglänge anpassen.

 

Schon die erste Bahn zeigt, warum das Yardage Book den Untertitel „True Links – Raw Nature“ trägt. In der Tat ist der Platz ein waschechter Links Course, der sich vor seinen deutlich bekannteren Nachbarn in Irland und Großbritannien nicht zu verstecken braucht. Die Landschaft auf den Lofoten ist jedoch noch ein bisschen ursprünglicher und rauer – vor allem bei Wind. Schon am ersten Abschlag muss man, so man die hinterste Teebox wählt, fast ein bisschen klettern. Von exponierter Stelle am Meer warten dann zwar gerade einmal maximal 301 Meter bei dem Par 4, Dogleg links, auf die Spieler, aber rechts droht dichtes Rough und links warten die Steine der Küste auf verzogene Bälle. Hat man das Grün erreicht, stellt man schnell fest, wie spurtreu diese sind – das Team um den irischen Greenkeeper Jeremy Mulhivill leistet hervorragende Arbeit, zumal die Zeitfenster für die Platzpflege hier oben deutlich knapper bemessen sind als in Zentraleuropa. Bereits an Bahn 2 steht das Signature Hole auf dem Programm. Ein schönes Par 3 mit einer Länge zwischen 97 und 138 Metern. Von den deutlich erhöhten Abschlägen geht es – über den weissen, feinen Sand des Strands hinweg, auf eine Felsinsel. Das Grün wird durch Steine und Felsen eingerahmt, zudem lauert ein tiefer Potbunker frontal vor dem Eingang zum Grün. Ein Par ist hier, vor allem auf der ersten Runde und bei Wind, ein gerne genommenes Ergebnis. Fast auf gleicher Höhe wie der Abschlag zur zweiten Bahn liegen auch die mittleren Teeboxen für Bahn 3. Vom hinteren Abschlag misst es sagenhafte 420 Meter, von den vorderen Teeboxen liegt die Länge zwischen angenehmen 267 bis 304 Metern. Vom Tee verläuft die Bahn zunächst als leichtes Dogleg nach links, immer am Strand entlang. Kurz vor dem Tee knickt sie dann nochmals spürbar nach links ab, so dass man beim Annäherungsschlag zumindest teilweise über den Strandbereich spielt. Dann kommt das erste Mal Wasser ins Spiel, allerdings wohl eher als psychologisches Hemmnis. Das bis zu 375 Meter lange Par 4 führt nun erstmal weg vom Wasser hin Richtung des mächtigen Bergs Hoven. Vom Tee geht es zunächst über ein Wasserhin, hier darf man ruhig zum Driver greifen – aber man sollte den Teeshot eher rechts anhalten, da die Bahn nach der Drivelandezone spürbar nach rechts abbiegt. Das langgezogene Grün wird zudem durch insgesamt drei Bunker gut geschützt. Über die Hauptstraße gelangt man zur nächsten Spielbahn. Bahn 5 nimmt einen ähnlichen Verlauf: auch hier geht es vom Tee zunächst über Wasser, die bis zu 344 Meter lange Spielbahn verläuft jedoch leicht gebogen, erst nach links, dann wieder nach rechts. Daher sollte man seinen Teeshot hier eher auf der linken Seite positionieren, um einen besseren Winkel ins Grün zu haben. Es folgt das zweite Par 3 – und man merkt schnell, dass die kurzen Bahnen im Lofoten Links besonderen Erinnerungswert haben. Je nach Teebox geht es über einen kleinen See oder direkt davor maximal 149 Meter zum Grün bergauf. Die gesamte Bahn ist durch Steine und Felsen eingerahmt, Präzision ist daher besonders wichtig. Nun folgen zwei Par 5- Bahnen. Die erste misst maximal 481 Meter und ist ein Musterbeispiel für Course Management. Immer wieder muss man sich entscheiden, ob man bei diesem Doppel-Dogleg den riskanten kürzeren Weg Richtung Wasser wählt oder einfach das Fairway hinunter spielt und erst mit dem dritten Schlag das Grün angreift. Über die gesamte linke Hälfte der Spielbahn verläuft Wasser, das Grün wird zudem durch drei große Bunker verteidigt. Bahn 8 ist noch länger und spielt sich zwischen 391 und 518 Metern. Vom Tee geht es zunächst gerade aus, dann knickt die Bahn leicht nach rechts, das Fairway wird zudem deutlich ondulierter. Das Grün ist nochmals leicht nach links versetzt und daher selbst mit dem dritten Schlag nur über einen präzisen Ball anzuspielen. Da die Bahn zudem bergauf verläuft, spielt sie sich nochmals länger – wenn nicht Rückenwind hilft. Zum Abschluss der Front Nine hat man vom erhöhten Abschlag einen tollen Blick auf den Platz Richtung Clubhaus und Richtung Meer. Da zudem auf der rechten Seite vor dem Grün zwei Teiche lauern, sollte man ruhig zum langen Eisen oder kleinen Holz greifen. Auch der Annäherungsschlag erfordert Präzision, da der Grün erhöht liegt und frontal durch drei Bunker geschützt wird.

Nach dem neunten Grün ist man zwar nicht direkt wieder am Clubhaus, aber nahe genug, um bei Bedarf dort schnell Getränke, Snacks oder weitere Golfbälle zu erwerben. Bahn 10 ist ein bis zu 343 Meter langes, nahezu gerades Par 4. Fast über die gesamte rechte Seite verläuft ein Bach. Vom Tee geht es zudem stetig bergauf, das Grün ist leicht nach links versetzt. Das maximal 383 Meter lange, folgende Par 4 ist als leichtes Dogleg links ausgeführt. Über die rechte Seite zieht sich die Ausgrenze. Dennoch sollte man seinen Teeshot eher rechts anhalten – und vermeidet hoffentlich die beiden Fairwaybunker dort.  Da das Fairway zu beiden Seiten durch dichtes Rough begrenzt wird, kommt hier echtes Linksfeeling auf. Das Grün wird zudem durch drei Bunker verteidigt. Zurück über die Hauptstraße folgt das erste Par 3 der Back Nine – und mit bis zu 222 Metern wahrlich keine leichte Aufgabe. Vom Tee geht es über dichtes Rough und einen kleinen Bachlauf zum deutlich erhöhten Grün – wer hier ein Par spielt, darf zu Recht stolz sein! Dann folgt das einzige Par 5 der zweiten Teilrunde. Man spielt bis zu 478 Meter entlang eines bogenförmig verlaufenden Fairways Richtung Meer. Rechts lauert die Ausgrenze, links grenzt die Nachbar-Spielbahn an. Auch hier ist vom Tee ein gewisse Basislänge erforderlich, sonst bleibt der Ball im dichten Gestrüpp hängen – man sollte daher die Teebox sorgfältig auswählen, vom hinteren Tee ist ein Mindestcarry von gut 180 Metern erforderlich. Hat man das Grün erreicht, sollten zwei Putts reichen. Sehr schön ist auch der alte Baumstamm rechts vor dem Grün als gestalterisches Element! Dann geht es vom Meer wieder zurück Richtung Clubhaus, nun hat man die östlichste Stelle des Platzes erreicht. Das bis zu 381 Meter lange Par 4 an Bahn 14 erfordert zwei präzise Schläge. In der Drivelandezone öffnet sich das Fairway zur rechten Seite, danach verjüngt es sich wieder und verläuft leicht S-förmig zum Fairway, so dass man je nach Fahnenposition seine Annäherung über das Wasser spielen muss. Auf der gesamten rechten Seite lauern die Steine des angrenzenden Strands auf verzogene Bälle. Das folgende, mit bis zu 319 Metern eher kurze Par 4 führt vom Abschlag stetig bergauf – und je nach gewählter Teebox spielt man die gesamte Bahn geradeaus oder eher von rechts her kommend. Vor dem nochmals erhöhten Grün lauern zwei große Bunker, die von unterhalb stehend wie Brillengläser aussehen. Auch Bahn 16 bleibt einem noch lange in Erinnerung. Das liegt nicht nur an der deutlichen Länge für ein Par 4 (die Bahn spielt sich zwischen 311 und 430 Metern), sondern auch aufgrund ihrer Topografie. Vom Tee spielt man Richtung Meer, die Drivelandezone wird zum Grün hin immer schmaler. Der Fairwaybereich vor dem Grün mutet wie eine kleine Landbrücke an, über die man zum langgezogenen Grün gelangt. Vor allem bei Gegenwind ist der Schlag ins Grün hier eine echte Herausforderung, da das Fairway vor dem Grün zudem stark onduliert ist und ein mittiger Grünbunker oft ins Spiel kommt. Das letzte Par 3 ist bis zu 146 Metern lang und wird in Richtung des mächtigen Hovens gespielt. Das 34 Meter lange Grün bietet zudem viele Möglichkeiten, die Fahne zu positionieren. Das Grün spielt sich vom Tee wie ein Inselgrün, da lediglich ein schmaler Weg zwischen dem Meer zur Rechten und einem kleinen Binnensee links führt. Dennoch: ein tolles Loch und eine gute Scoring-Möglichkeit! Das abschließende Par 4 mit bis zu 343 Metern führt wieder zurück Richtung Clubhaus. Die Spielbahn verläuft leicht nach links gebogen, das Grün ist fast in gerader Linie vom Tee. Man sollte seinen Teeshot vom deutlich erhöhten Abschlag eher links anhalten (und dabei die Bunker auf dieser Seite meiden), so hat man den besseren Winkel zum Grün. Hinter dem Grün dominieren mächtige Felsen, man sollte also besser nicht über das Grün hinaus schlagen. Mit zwei Putts kehrt man schließlich zum Clubhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite zurück und kann dort – auch auf der kleinen Terrasse – noch einmal die schönsten Momente dieses einzigartigen Platzes bei einer Erfrischung Revue passieren lassen.

 

Wer in den Sommermonaten reist, kann ein ganz besonderes Erlebnis genießen: Golfen unter der Mitternachtssonne. Im Juni und Juli geht die Sonne nicht unter, bei wolkenlosem Himmel braucht man selbst um Mitternacht eine Sonnenbrille. Aber auch, wenn es bewölkt ist, bleibt ausreichend Helligkeit, um auch zu außergewöhnlichen Zeiten eine Runde Golf spielen zu können. Das Licht verbreitet eine ganz eigentümliche Stimmung – ein Erlebnis, das man wohl nicht vergessen wird.

 

Unbedingt empfehlenswert ist auch ein Besuch im zwischen Golfplatz und Lodges gelegenen Restaurant Låven at Hov Gård. Hier gibt es nicht nur frische und sehr gut zubereitete Speisen in einer urtümlichen, lokalen Atmosphäre, die Anordnung der langen Tischreihen sorgt auch dafür, dass man schnell mit anderen Gästen – Golfern wie Nicht-Golfern – ins Gespräch kommt.

 

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