Open-Faszination in Sandwich

Kurztrip nach England auf den Spuren der Open Championship

Keine Frage: die Austragungsorte der Open-Championship, immerhin das bedeutendste Profiturnier in Europa, üben auf Golfer einen besonderen Reiz aus – vor allem auf Golfer, die gerne echte Links-Plätze spielen. Und entgegen der landläufigen Meinung ist es im Winter in Großbritannien nicht unbedingt kälter als in Deutschland – oft ist sogar das Gegenteil der Fall. So ist nicht schwer zu erraten, dass ein Angebot, dass wir im Rahmen unserer Recherche für die Open Championship 2017 entdeckten, unsere besondere Neugier weckte: 3 Open-Austragungsorte in 3 Tagen als Gesamtpaket – das klingt nach Golfers Traum. Und um es vorwegzunehmen: dieses Angebot ist ein Traum für alle Golfer mit Faible für authentisches Linksgolf.

Die Rede ist hier von einem Angebot, dass der englische Princes Golf Club seinen Gästen unterbreitet. Die Anlage, die zur europäischen Sektion von Troon Golf zählt, liegt im Südosten Englands an der Sandwich Bay der Grafschaft Kent. Nächstgelegener Ort ist die kleine Stadt Sandwich, deren Herzog einst für die Erfindung des gleichnamigen, mit Fleisch belegten Brotes verantwortlich war. Der Princes Golf Club bietet nicht nur 3 fantastische 9-Loch-Plätze, sondern verfügt über eine eigene Unterkunft, The Lodge. Hier können die Gäste wahlweise Zimmer oder Apartments buchen. Das von uns getestete Angebot läuft unter dem Namen „3 Open Championship Venues in 3 days“. Es beinhaltet je eine 18-Loch-Runde auf den folgenden Plätzen der Open-Rota: Princes Golf Club, Royal St. George’s Golf Club und Royal Cinque Ports Golf Club. Während im Princes und im Cinque Ports heute keine Open Championships mehr ausgetragen werden, ist Royal St. George’s weiterhin fester Bestandteil der aktiven Rota. Zuletzt gewann hier 2011 Darren Clarke seinen Claret Jug. Weiterhin umfasst das Angebot zwei Übernachtungen mit Frühstück in der Lodge sowie zwei Dinner in der Lodge. Das Gesamtangebot wird im Winter zum äußerst attraktiven Gesamtpreis von 299 GBP im Doppelzimmer angeboten, im Einzelzimmer kommt ein Zuschlag von 70 GBP hinzu (Stand: Dezember 2016). Das Angebot ist von Sonntag bis Donnerstag buchbar und gilt vom 1. November bis 28. Februar. Auch im Sommer (01. April bis 31. Oktober, ebenfalls von Sonntag bis Donnerstag) gibt es das identische Angebot, dann liegt der Preis bei 499 GBP pro Person im Doppelzimmer. Wer übrigens nicht alle drei Plätze spielen möchte (Royal St. George’s erfordert ein Handicap von maximal 19, die übrigen beiden Anlagen sind ohne Handicapbeschränkung spielbar), findet auf der Website des Princes Golf Clubs weitere Pauschalangebote mit unterschiedlicher Aufenthaltsdauer.

Da Sandwich nur rund 30 Minuten von Folkestone entfernt ist, fiel die Wahl für die Anreise auf den PKW. Am Vorabend noch eine Übernachtung in Calais eingelegt und dann direkt mit dem ersten Le Shuttle am Morgen unter dem Ärmelkanal durch – selten war die britische Insel so nah. Und für Golfer besonders praktisch: endlich einmal keine Gepäckbeschränkung durch Fluggesellschaften, einfach einpacken was man braucht (oder glaubt, zu brauchen) und losfahren. Als Frühaufsteher zeigte die Zeitverschiebung ihre Wirkung: Abfahrt 06:50, Ankunft Folkestone 06:25 Uhr – und damit noch vor Sonnenaufgang. Da noch ausreichend Zeit bis zum ersten Abschlag bestand also erst einmal ein bisschen Sightseeing. Das Wetter war sonnig vorausgesagt, zweistellige Temperaturen trotz Mitte Dezember waren zu erwarten, daher fiel die Wahl auf einen Sonnenaufgang am Meer. Unmittelbar neben der A20, die von Folkestone über Dover Richtung Sandwich führt, liegt das Naturschutzgebiet Samphire Hoe, das im Rahmen des Eurotunnelbaus angelegt wurde. Bei schönem Wetter kann man bis nach Frankreich sehen, im Hintergrund liegen Klippen, die einen Vorgeschmack auf die berühmten White Cliffs of Dover geben. Kurzum: ein perfekter Ort für einen Sonnenaufgang bei einem heißen Kaffee. Von dort ging es weiter nach Deal am unteren Rand der Sandwich Bay. Auch wenn diese Befestigungsanlage aus der Zeit Heinrich VIII im Winter nur am Wochenende geöffnet ist, kann man sich von außen einen guten Überblick verschaffen. Bemerkenswert ist die Architektur, denn Deal Castle weist eine konzentrische, perfekt symmetrische Form auf. Der Innenturm wird von sechs halbkreisförmigen Bastionen umgeben, gleich einem Rosenblatt.

Dann ging es jedoch weiter zur ersten Station des Golftrips, dem Princes Golf Club. Schon die Zufahrt ist beeindruckend, man fährt über eine Privatstraße die letzten Kilometer entlang der Sandwich Bay. Gut anderthalb Kilometer vor dem Clubhaus passiert man die Lodge, die Unterkunft des Golfclubs. Der Princes Golfclub war 1932 Austragungsort der Open Championship, Sieger wurde niemand geringeres als Gene Sarazen mit fünf Schlägen Vorsprung auf Macdonald Smith. Der ursprüngliche Platz wurde 1906 fertiggestellt und war mit rund 7.000 Yards zumindest eine der längsten Rota-Anlagen zur damaligen Zeit. Während des ersten Weltkriegs wurde der Platz zum Trainingsareal und zur Verteidigungslinie, er wurde jedoch nach dem Krieg rasch wieder hergestellt. Im zweiten Weltkrieg ereilte den Club ein ähnliches Schicksal, wurde er nun gar als Übungsgelände für Militärübungen stark beschädigt. 1950 wurde die Anlage überarbeitet und restauriert, immerhin 17 der ursprünglichen Grüns konnten erhalten werden. Im Ergebnis verfügt der Club heute über drei Mal neun Loch, die beliebig miteinander kombiniert werden können. Heute ist der Club wieder regelmäßiger Austragungsort wichtiger Turniere. Die drei Plätze Himalayas, Shore und Dunes bieten Linksgolf vom Feinsten, wobei Himalayas der kürzeste der drei Plätze ist und vor allem gerne von den Mitgliedern gespielt wird. In Kombination mit dem Shore-Platz kommt er dem ursprünglichen 18-Loch-Platz am nächsten. Die Bahnen des Himalayas liegen oftmals ein wenig mehr landeinwärts, so dass der Wind hier nicht ganz so stark empfunden wird. Gäste spielen häufig die Kombination Shore und Dunes – zwei fantastische Linksplätze, von denen Dunes noch etwas anspruchsvoller ist. Auf beiden Plätzen, die beide Start und Ziel unmittelbar am Clubhaus haben, warten Potbunker, schnelle Grüns, Büsche und natürlich teils heftiger Wind auf die Golfer.

 

Das Wetter war – wie an allen drei Tagen der Tour – mit 12 Grad für Dezember sehr mild, auch die Sonne zeigte sich auf dem größten Teil der Runde. Wie auf nahezu allen Linkscourses gilt: unbedingt ein Birdiebook mit auf die Runde nehmen, denn im Gegensatz zu den Plätzen auf dem Kontinent gibt es hier kaum Tafel, welche die einzelnen Spielbahnen am Abschlag beschreiben. Los ging es auf dem Shore-Platz mit einem fairen, recht langen Par 4, an dessen Ende ein leicht erhöhtes Grün wartet. Das anschließende Par 5 ist eine schöne Gelegenheit zu einem Par oder Birdie – wenn man seinen Teeshot nicht in einen der Fairway-Bunker versenkt oder man Gegenwind hat. Weiter geht es mit einem Par 3, das einen präzisen Teeshot erfordert – sonst landet man schnell in den vorderen Bunkern. Bahn 4, ein mittellanges Par 4, ist die Lieblingsbahn des örtlichen Headpros. Da man jedoch meist Gegenwind hat, spielt sich die Bahn deutlich länger – und der Annäherungsschlag sollte nicht zu kurz sein, will man die Bunker vor dem Grün vermeiden. Mit Bahn 5 gelangt man an den hintersten Bereich des Platzes und ist nun sehr nahe an der Lodge. Nicht nur das: unmittelbar hinter dem Grün liegt der Royal St. George’s Golf Club. Das Par 4 an Bahn 6 erfordert vor allem einen präzisen Teeshot, sonst landet man in einem der drei Fairwaybunker und wird das Grün kaum mit dem zweiten Schlag erreichen. Besonders gut hat uns Bahn 7 gefallen, ein langes Par 5 mit leicht erhöhtem Abschlag. Häufig spielt man hier mit Rückenwand, was die Bahnlänge angenehm verkürzt. Das letzte Par 3 des Platzes sollte auf der rechten Seite des Grüns angespielt werden, das nach links hängende Grün lässt den Ball sonst schnell zur Seite rollen. Ein längeres, dennoch eher einfaches Par 4 schließt die Runde am Clubhaus ab.

 

Weiter ging es nun auf dem Dunes-Course – ein Platz, der, heute eher ungewöhnlich, eine Runde entgegen dem Uhrzeigersinn bietet. Vielen gilt die erste Bahn als schwerste der gesamten Anlage – nicht nur wegen seiner Gesamtlänge als Par 4 von bis zu 473 Yards, sondern auch, weil sie zudem ein Dogleg links ist und man oft in den Wind hineinspielt. Damit weiß der Golfer gleich zu Beginn des zweiten Teils seiner Runde, dass Linksgolf sehr anspruchsvoll sein kann. Das folgende, mittellange Par 3 spielt sich vergleichsweise einfach, zumal oft Windunterstützung herrscht. Doch schon gleich danach wartet ein bis zu 557 Yards langes Par 5 mit stark onduliertem Fairway und häufig Gegenwind als weiterer Test. Auch das folgende Par 4 zählt zu den längeren Spielbahnen, wer vorlegen möchte, sollte die zahlreichen Fairwaybunker in Grünnähe ebenso vermeiden wie die rechts das Grün verteidigenden Topfbunker. Bahn 5, ein leichtes Par 4-Dogleg links, lässt einen wieder etwas Luft holen, bevor an der 6 das nächste Par 5 wartet – und nahezu auf dem gesamten Fairway herausfordernde Topfbunker bietet. Deutlich einfacher ist das wiederum das folgende Par 4 an der 7, während das Par 3 an der 8 mit zu den anspruchsvollsten Bahnen der Anlage gehört - zieht sich der Teeshot doch auf bis zu 217 Yards und die linke Grünseite hängt zusätzlich. Hat man diese Herausforderung gemeistert, geht es gemütlich mit dem letzten Par 4 Richtung Clubhaus.

 

Natürlich haben wir uns auch den Himalayas-Platz angesehen. Er ist der kürzeste der drei Plätze. Auffällig: seine Fairways wirken breiter als bei den übrigen Plätzen, doch dafür ist das Rough meist noch dichter als auf bei Shore und Dunes. Dennoch: die Fairways sind oft wellig, von leichtem Spiel kann auch hier keine Rede sein. Ein weiterer Unterschied: hier werden die Spielbahnen und Grün häufiger von Bäumen gesäumt, was einen komplett anderen optischen Eindruck vermittelt. Und an Bahn 6 gibt es über die erste Hälfte des rechten Fairways ein Wasserhindernis. Eine weitere Besonderheit: die Bahnen 4 und 8 teilen sich ein Doppelgrün, ein Stilelement, das früher häufiger eingesetzt wurde und heute beispielsweise auch auf dem Old Course und dem Castle Course in St. Andrews anzutreffen ist. Das Grün der letzten Spielbahn schließlich wird links durch einen großen Bunker geschützt, den man zu Ehren des 1932er Open-Champions nach Gene Sarazen benannt hat.

Danach ging es zur Lodge, um für den Aufenthalt einzuchecken. Die Zimmer sind sehr schön groß und geräumig – und als Besonderheit gibt es auf jedem Zimmer auch zwei extra Halteboxen für Golfbags. Die Aussicht war ebenfalls bestens, zeigte das Zimmer doch direkt zum Princes Golf Course. Auch für das kulinarische Wohl war in der Lodge im Restaurant „The Brasserie on the Bay“ bestens gesorgt. Abends konnte man pro Gang aus drei frisch zubereiteten, sehr gut schmeckenden Gerichten wählen, und auch zum Frühstück gab es verschiedene Varianten zur Auswahl. Nach der Runde, vor dem Dinner und natürlich auch nach dem Dinner lädt die Spike Bar auf ein Bier, einen Whisky oder einen Kaffee ein. Hervorzuheben ist übrigens auf der gesamten Anlage, also sowohl im Clubhaus samt Clubrestaurant als auch in der Lounge mit Bar und Restaurant das stets sehr freundliche und kompetente Personal. So machen Golfreisen doppelt Spaß!

 

Am nächsten Morgen ging es dann entlang der Sandwich Bay zum zweiten Club, der unmittelbar an den Princes Golf Club angrenzt: Royal St. George’s stand auf dem Programm, auf dem noch heute regelmäßig die Open ausgetragen werden. Schon bei der Zufahrt erkennt man: hier handelt es sich um einen traditionellen britischen Club. Fast schon ehrfürchtig betritt man das Clubhaus, der Proshop und der Caddiemaster befinden sich in einem Nebengebäude. Gleich beim Betreten wird man sehr freundlich vom Steward des Clubhauses begrüßt, der einen kurz mit den Regeln für das Clubhaus vertraut macht (keine Golfschuhe im Clubhaus, ab mittags Sakko und Krawatte). Und das Innere des Clubhauses entspricht so ziemlich genau den Vorstellungen, die man sich als Kontinentalgolfer von einem britischen Clubhaus ausmalt. Viel Holz, alles sehr gediegen – und zur großen Überraschung auch sehr offene und freundliche Mitglieder, die einem sofort erklären, wo man den kostenlosen (!) Frühstückskaffee findet.

 

Für Royal St. George’s gilt ein Maximalhandicap von 19 – und schon die ersten Bahnen zeigen, dass dieser Linkscourse nochmals einige zusätzliche Herausforderungen bietet. Die Ursprünge des Platzes gehen bis ins Jahr 1887 zurück, kein deutscher Platz bietet eine so lange Historie. Die Eröffnungsbahn, ein langes Par 4, spielt sich vergleichsweise einfach, solange man keinen Gegenwind hat. Beim Approach sollte man nicht zu kurz bleiben, sonst lauert einer der drei Grünbunker auf den Ball. Auch die zweite Bahn ist recht lang, aber moderat zu spielen – sofern man vom Tee seinen Ball nicht in einen der beiden Fairwaybunker links schickt. Schwieriger wird es auf dem ersten Par 3 an der nächsten Bahn, dass seit den Open 2011 immerhin 239 Yards lang ist und zudem links und rechts von Büschen gesäumt wird. Es ist übrigens das einzige Par 3 auf einem der aktuell gespielten Open-Plätze, das keinen Bunker aufweist. Bahn 4 ist ein Dogleg links, auch das Fairway hängt zu dieser Seite. Vom Tee aus kann man das Grün kaum einsehen. Zudem ist die Bahn als Par 4 sagenhafte 496 Yards lang und das Grün ist leicht erhöht. Wer hier mit Par vom Grün geht, wird mehr als zufrieden sein. An Bahn 5 spielt man von einem erhöhten Abschlag in Richtung Meer. Das leichte Dogleg links ist ein Par 4, mit dem Teeshot sollte man jedoch etwas rechts bleiben, um keinen der insgesamt 5 Fairwaybunker zu erwischen. An Bahn 6 zeigt der Platz, dass er auch Par 3-Bahnen mit Bunker hat, immerhin 4 Bunker verteidigen das Grün ringsherum. Royal St. George’s hat insgesamt nur zwei Par 5-Bahnen, die erste wartet an der 7 auf die Golfer – und ist mit bis zu 573 Yards je nach Windverhältnissen ein echter Test. Die 8 stellt traditionell das schwerste Loch einer Open Championship dar. Das liegt weniger an der Länge von bis zu 457 Yards, sondern zum einen an den beiden Topfbunkern, die rechts des Fairways warten, und dem langgezogenen und extrem schnellen Grün. Den Abschluss der ersten 9 Bahnen bildet ein schönes Par 4, das ein präzises Anspiel des Grüns erfordert.

 

Die zweiten neun Bahnen beginnen mit einem für diesen Platz schon eher kurzen (412 Yards) und zudem recht gerade. Dafür hängt das Fairway nach rechts und das erhöhte Grün will präzise angespielt werden, vor allem sollte man vermeiden, dass der Ball am hinteren Grünende hinunter rollt. Die 11 ist ein sehr langes Par 3 (242 Yards), dessen Grün zudem von 5 Grünbunker stark verteidigt wird. An der 12 wartet das kürzeste Par 4 (379 Yards), jedoch hängt das Fairway zu beiden Seiten und es gilt, bis zum Grün insgesamt 8 Bunker zu vermeiden. Wer jetzt glaubt, es würde vielleicht einfacher, kann im Birdiebook des Clubs eine Prise echten britischen Humors finden: als ob die ersten 12 Bahnen nicht schon so ziemlich alles abgerufen haben, was man als Golfer können sollte (oder man merkt eben, dass man es nicht kann...), heißt es doch tatsächlich in der Beschreibung zu Bahn 13: „The finishing holes at Sandwich are some of the hardest anywhere, and they begin with this long Par 4“. Also, nochmal die ganze Kondition und Konzentration zusammennehmen und weiter geht’s. Der Teeshot ist noch vergleichsweise einfach, solange man keinen der 4 Potbunker links und rechts der Drivelandezone erwischt. Komplexer ist der zweite Schlag, denn links des Fairways vor dem Grün warten drei markante Bunker, auch das Grün wird zu beiden Seiten durch Bunker verteidigt. Ball rollen lassen ist hier ausnahmsweise nicht unbedingt die beste Strategie.... Bahn 14 bietet dann das zweite Par 5, und auch hier ist nicht zu leugnen: es geht immer noch schwieriger. Die Länge ist mit 545 Yards nicht die Herausforderung, aber das gesamte Fairway ist stark onduliert. Zudem wartet ein das Fairway querender Bach auf manche Bälle (Ballangeln sind links von der Brücke verfügbar) – und über die gesamte rechte Seite zieht sich eine Ausgrenze. Wer sich für eine 3-Schläge-Strategie entscheidet, macht oft ungewollt Bekanntschaft mit einem der drei Fairwaybunker hinter dem Bach. Bahn 15 ist das längste Par 4 des Platzes mit bis zu 493 Yards. Hier sollte man möglichst keinen Gegenwind haben! Zusätzlich lauern 5 Fairwaybunker auch auf besonders gelungene Drives, das Grün wird durch 3 quer über die Spielbahn laufende Bunker bestens geschützt. Da spielt sich die 16, ein eher kurzes Par 3 mit 161 Yards, fast schon entspannt – wären da nicht die sage und schreibe sieben Grünbunker, die perfekt platziert sind. Hier verspielte einst Thomas Björn mit 3 Schlägen aus dem Bunker in 2003 seinen fast schon sicher geglaubten Open-Sieg. Andererseits gelang Tony Jacklin an dieser Bahn im Rahmen der Dunlop Masters 1967 das erste Hole-in-One, das von Fernsehkameras übertragen wurde. Bahn 17, ein Par 4, unterstreicht nochmals, dass die Schwierigkeit der Schlussbahnen nicht zuletzt von den stark ondulierten Fairways hervorgerufen wird. Kaum einmal steht man gerade zum Ball, eher unter oder über dem Ball. Zum Abschluss dieser wunderschönen Runde geht es dann zum erhöhten Abschlag der 18. Links sieht man bereits das Clubhaus und es gilt, mit dem Teeshot nicht zu weit links anzuhalten, sonst lauern Bunker. Der Weg zum Grün wird durch zwei große Fairwaybunker geschützt – gelingt der Teeshot nicht wie gewohnt, kommen sie oft beim zweiten Schlag ins Spiel. Das Grün ist dafür sehr fair, zwei Bunker links und rechts gilt es zu vermeiden und dann den finalen Putt zu lochen. Der Platz zeigte sich während der Runde in hervorragendem Zustand – und auch die Sportsbar, in die man nach der Runde auch ohne Sakko und Krawatte gehen kann, bietet leckere Snacks und Getränke.

Nach der Runde erkundeten wir noch ein wenig die Gegend und warfen einen Blick auf das Richborough Roman Fort and Amphitheatre (der Zugang ist in der Wintersaison nur am Wochenende möglich) und die Kirche St. Mary’s in Sandwich.

Dritter Tag, dritter Platz – das hieß: auf zum Royal Cinque Ports Golf Club. Dieser gehört zum Ort Deal, ist aber ebenfalls nur wenige Autominuten vom Princes Golf Club entfernt. Auch hier gilt: ein typischer englischer Mitgliederclub mit traditionellem Clubhaus, aber sehr freundlichen Mitgliedern und Mitarbeitern. Der Ursprung dieses Platzes geht bis in die 1890er Jahre zurück. Ursprünglich als 9-Loch-Anlage gebaut, wurde der Platz noch vor Beginn des 20. Jahrhunderts auf 18 Bahnen erweitert. 1909 und 1920 wurde hier die Open Championship ausgetragen. Heute wird die Anlage jedoch nicht mehr für die Open genutzt – wie bei Prestwick oder Princes ist die mögliche Zuschauerkapazität schlicht nicht zu gewährleisten. Der Platz ist unverändert einer Open würdig. Dies zeigt nicht zuletzt, dass die Anlage von 2013 bis 2017 einer der vier Austragungsorte für das Final Qualifying zur Open ist. Auch im kommenden Jahr werden also einige der letzten Plätze für Royal Birkdale an dieser Stelle vergeben. Und auch andere große Turniere kommen immer wieder nach Royal Cinque Ports, beispielsweise die Amateur Championship 2013.

 

Der Platz ist ein typischer Linkscourse mit In-Out-Design, am Ende der neunten Bahn ist man also am weitesten vom Clubhaus entfernt. Der Platz bietet bis zu fünf Abschläge, so dass hier Golfer aller Handicap-Kategorien die für sie beste Variante wählen können. Die erste Bahn, ein Par 4, beginnt unspektakulär entlang der Straße gegenüber des Clubhauses. Ähnlich wie auf dem Old Course in St. Andrews wird das Grün durch einen kleinen Bach vom Fairway getrennt, zwei kleine Steinbrücken führen den Golfer zum Grün. Auch die zwei, ein weiteres Par 4, ist normal lang und gut zu spielen, dennoch erkennt man bereits ein typisches Element für Royal Cinque Ports: hängende und ondulierte Fairways. Doch spätestens an der 3, dem ersten Par 5 mit bis zu 510 Yards, zeigt der Platz seine wahre Schönheit – und seine Zähne! Hier ist Course Management gefragt, sonst landet der Ball schnell in einem der Fairwaybunker. Je nach Balllage hat man auch schon einmal blinde Schläge. Und auch das Grün liegt leicht versteckt hinter einem Hügel. Das maximal 149 Yards kurze Par 3 an der nächsten Bahn wirkt da fast wie eine Erholung – aber der Wind direkt vom Meer und der erhöhte Abschlag machen die richtige Schlägerwahl oft zur Herausforderung. An der 4 kommt dann gleich das nächste Par 5 – und ist mit bis zu 601 Yards auch für Longhitter ein Tester. Bahn 6, ein kurzes Dogleg Par 4, ist klassisches Risk & Reward Golf: wenn der Teeshot „sitzt“, kann man mit einem leichten Chip das erhöhte Grün anspielen und hat eine gute Birdiechance. An der 7, ebenfalls ein Par 4, kommt es vor allem darauf an, die insgesamt acht Bunker aus dem Spiel zu nehmen. Bahn 8 bietet das nächste Par 4 mit bis zu 172 Yards. Hier sollte man vom Tee vor allem nicht zu kurz bleiben, denn insgesamt sechs Bunker verteidigen das Grün im Halbkreis. Das bis zu 457 Yards lange Par 4 Dogleg an der 9 beschließt die erste Teilrunde, an einem kleinen Halfwayhouse kann man sich mit Snacks sowie heißen und kalten Getränken auf den zweiten Teil der Runde vorbereiten.

 

Die 10 ist ein kurzes bis mittellanges Par 4 Dogleg links. Auch hier kommt es vor allem darauf an, den Abschlag nicht in einem der Bunker zu versenken. Nun geht es zurück Richtung Clubhaus, und das bedeutet oft, gegen den Wind zu spielen. Daher spielen sich die Bahnen oft deutlich länger als es die Yard-Angaben vermuten lassen. Dies gilt beispielsweise für die 11, ein bis zu 398 Yards langes Par 4. Noch deutlicher wird dies am folgenden, bis zu 463 Yards langen Par 4, dass sich je nach Wind oft eher wie ein Par 5 spielt. Am folgenden Par 4 gilt es, den Teeshot nicht zu weit nach rechts anzuhalten, sonst warten zwei große Bunker auf die Bälle. Auch der Weg zum Grün ist durch weitere Bunker sehr gut geschützt. Und auf dem Grün wartet manch überraschender Break auf den Golfer. Das Par 3 an der 14 ist bis zu 221 Yards lang. Wenn hier Gegenwind herrscht, dürfen die ganz langen Eisen oder auch schon mal ein Holz 3 ausgepackt werden. Das lange Par 4 an der 15 sollte man am besten von links anspielen – und der Schlag zum Grün ist besser zu lang als zu kurz, sonst rollt der Ball geradewegs wieder nach unten. Für Bahn 16 gilt das Motto „lang und schwer, auch ohne Gegenwind“. Henry Cotton zählte sie zu den 18 schönsten Spielbahnen Englands. Das Fairway besteht aus zwei leicht versetzten Hälften, zudem ist es sehr hügelig. Das kleine und harte Grün erfordert ein besonders präzises Anspiel – kurz: eine sensationelle Herausforderung, wer hier Par spielt, darf sich gratulieren. Wer nun jedoch glaubt, die mit maximal 396 Yards kürzere 17 würde ein lockerer Spaziergang, wird schnell eines Besseren belehrt. Auch hier ist präzises Spiel gefordert, und das zu allen Seiten hängende Grün belohnt oft – fast schon links-untypisch – einen hohen Annäherungsschlag, der schnell zum Liegen kommt. Die Schlußbahn wirkt optisch leichter als sie sich spielt. Mit bis zu 455 Yards ist auch hier eine ordentliche Länge erforderlich. Dennoch sollte man seinen Abschlag eher rechts anhalten, um bei diesem leichten Dogleg links einen besseren Winkel ins Grün zu haben. Das Grün wird, ähnlich der ersten Bahn, durch einen kleinen Bach geteilt. Das leicht erhöhte Grün erfordert schließlich eine letzte präzise Schlägerwahl, bevor diese Runde auf einem der schönsten Linkscourses endet.

Danach hieß es „ab Richtung Heimat“, nicht jedoch ohne noch ein bisschen Touristikprogramm zu absolvieren. Wer Käse mag, kann in Kent ein besonderes Souvenir erstehen: äußerst leckeren Käse der Cheesemakers of Canterbury (http://www.cheesemakersofcanterbury.co.uk). Gleich, ob Hartkäse, Blauschimmelkäse oder Camembert: alles schmeckt hervorragend und wird für den Transport auf Wunsch auch vakuumiert. Vor der Rückfahrt durch den Eurotunnel ging es dann noch zu den Weißen Klippen von Dover. Wer mit der Fähre nach England kommt, kann dieses Wahrzeichen oft schon von weitem erkennen. Ein Visitor Center und zahlreiche Spazierwege rund um die Klippen bieten interessante Einblicke.

 

3 Open Plätze in 3 Tagen – für alle Open-Fans und Linksgolf-Fans ein absolutes „Must Play“. Alle drei Plätze zeigten sich in Top-Zustand und sind eine echte golferische Herausforderung. Dennoch haben sich – trotz ihrer räumlichen Nähe – alle drei Anlagen ihren ganz eigenen Charakter bewahrt. Mit der Übernachtung in der Lodge des Princes Golf Clubs wird diese Golfreise zum perfekten Trip und eignet sich Sommers wie Winters bestens auch für einen Kurzurlaub.

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