Golfen zwischen Liverpool und Southport

Der Southport and Ainsdale Golf Club und seine Rota-Nachbarn

Die meisten Deutschen kennen die Region Liverpool vor allem als Heimatstadt der Beatles und durch den Fußball. Doch auf für Golfer ist die Region in jedem Fall eine Reise wert. Gleich mehrere Anlagen der Rota, also Austragungsorte der Open Championship, liegen hier innerhalb eines Radius von wenigen Kilometern. Lohnenswert sind beispielsweise Royal Liverpool, bisher 12maliger Austragungsort der Open, und der 11malige Gastgeber Royal Lytham and St. Annes. Auch der Ruf des Formby Golf Clubs hallt weit über die Grenzen der Region hinaus.

 

Bereits 2017 wird die Open Championship wieder in der Region ausgetragen, dann im Royal Birkdale Golf Club, nur wenige Kilometer von Southport entfernt. Die Anlage ist ein klassischer Links Course und mit gut 6.800 Yards für heutige Verhältnisse selbst von weiß nur durchschnittlich lang. Eine Besonderheit des Platzes ist, dass es auf den ersten 9 Bahnen nur ein Par 5 gibt, dafür jedoch insgesamt drei auf den Back Nine. Die Anlage zeigt Golf von seiner ursprünglichen Seite: Wasser kommt kaum ins Spiel, aber dafür erwarten den Golfer immer wieder dichte Büsche links und rechts des Fairways. Und natürlich spielt auch der Wind eine große Rolle bei der Frage, wie schwer sich dieser fantastische und ursprüngliche Links Course spielt. Einen Besuch wert ist in jedem Fall das Clubhaus, das auch eine Trophäensammlung und natürlich eine Kopie des Claret Jags beinhaltet. Vom Restaurant aus hat man einen ausgezeichneten Blick auf das 18. Grün, an dem in 2017 zum insgesamt zehnten Mal der Sieger der Open Championship feststehen wird. Auch Gäste sind im Club gerne gesehen, der Dienstag ist allerdings Ladies Day und steht somit nur eingeschränkt für Greenfee-Spieler zur Verfügung.

Kaum fünf Autominuten von Royal Birkdale entfernt befindet sich ein weiteres kleines Juwel des Links Golfs: der Southport and Ainsdale Golf Club. 2006 feierte die Anlage ihr einhundertjähriges Bestehen. Seit 1925 befindet sich der Golfplatz an seinem heutigen Standort. Architekt des heutigen Platzes war James Braid, der erste Golfer, der die Open Championship fünf Mal gewinnen konnte. Einen ersten Höhepunkt erreichte die Clubgeschichte 1933, als hier der Ryder Cup (damals noch zwischen Großbritannien und den USA) ausgetragen wurde – Großbritannien konnte den Wettbewerb buchstäblich mit dem letzten Putt für sich entscheiden. 1937 kam es zur Revanche, dieses Mal entführten die USA den Ryder Cup an gleicher Stätte nach Hause.

 

Heute steht der Club ein wenig im Schatten seiner berühmten Open-Nachbarn, allerdings durchaus zu unrecht, wie wir finden. Denn der Platz ist anspruchsvoll und bietet Links Golf vom Feinsten. Das wird nicht zuletzt dadurch deutlich, dass Southport and Ainsdale noch heute gerne als Austragungsort der finalen Qualifikationsturniere genutzt wird, wenn die Open Championship in Royal Lytham oder Royal Birkdale ausgetragen wird. Die Anlage ist für Gäste geöffnet, es gibt sogar – für Großbritannien und Links-Plätze im Besonderen eher ungewöhnlich – E-Carts für die Runde. Das Greenfee beträgt an Wochentagen zwischen 65 Pfund (November bis März) und 105 Pfund (in der Hochsaison von Mai bis September), jeweils inklusive eines 5 Pfund Vouchers für die Clubgastronomie. Damit ist der Platz günstiger als viele seiner berühmteren Nachbarn und sollte auf keiner Reise in die Region fehlen.

Die Runde beginnt mit einem eher langen Par 3 (204 Yards von weiß). Hier sollte man das Grün möglichst nicht verfehlen, sonst darf man seinen Ball entweder direkt in den dichten Büschen des Roughs oder in einem der Topfbunker rund um das Grün suchen. Und mit einem über 550 Yards langen Par 5 wartet an Bahn 2 gleich die nächste Herausforderung auf die Golfer. Vom erhöhten Abschlag der 3 hat man einen schönen Rundblick über die gesamte Anlage bis zu den angrenzenden Ortschaften. An Bahn 6, einem Dogleg Par 4 mittlerer Länge, kommt es auf einen präzisen Abschlag an. Longhitter, die durch das Dogleg abkürzen möchten, finden sich schnell in einem der Büsche wieder. Die 8 ist zwar ein kurzes Par 3, doch liegt das Grün deutlich erhöht. Wer hier vom Tee zu kurz bleibt, darf seinem Ball dabei zusehen, wie er gemütlich den gesamten Hügel fast bis zurück zum vordersten Abschlag hinunterrollt. Mit dem dritten Par 5 auf den Front Nine und einem durch Topfbunker bestens geschütztem Grün endet die erste Hälfte der Runde.

Auch die erste Bahn der Back Nine, das bis zu 183 Yards lange Par 3 an Bahn 10, zeigt ein leicht erhöhtes Grün. Mit bis zu 444 Yards ist auch die folgende Bahn 11 ein echter Tester. Zudem sollte man seinen Annäherungsschlag nicht zu lang platzieren, denn hinter dem Grün warten zahlreiche Bäume auf Fehlschläge. An der 13 wartet zwar das kürzeste Par 3 der gesamten Runde (maximal 155 Yards), doch wird das ohnehin eher kleine Grün durch 4 Bunker und ein Wasserhindernis hinter dem Grün sehr gut geschützt. Bahn 15 ist ein vergleichsweise kurzes Par 4, jedoch wartet das Fairway direkt beim Teeshot mit zahlreichen, sehr gut positionierten Bunkern auf – hier gilt also Präzision vor Länge. Dann heißt es noch einmal „Durchatmen“ für drei spannende Schlussbahnen.

 

Die 16 ist sicherlich die spektakulärste Bahn des Platzes. Dieses Par 5 mit bis zu 528 Yards, das den Namen „Gumbleys“ trägt, ist auf zwei Ebenen aufgeteilt. Bei knapp 330 Yards durchzieht ein Hügel die gesamte Spielbahn, der durch Eisenbahnschwellen verstärkt und noch dazu vorne durch einen Bunker geschützt wird. Für Longhitter vom Tee kann da für den folgenden Schlag schnell Höhe erforderlich werden, und auch für Golfer mit nicht ganz so langem Teeshot gilt, dass der zweite Schlag unbedingt ausreichend Höhe benötigt, um nicht an der Erhöhung hängen zu bleiben. Für die meisten Golfer ist daher eine 3-Schlag-Strategie zum Grün zu empfehlen, denn auch das Grün ist recht schmal und eine echte Herausforderung. Wer hier sein Handicap spielt, dürfte sicherlich mit einigem Stolz zur nächsten Bahn weitergehen. Der Abschlag der 17, einem langen Par 4, ist wie bei Bahn 3 spürbar überhöht und bietet nochmals einen fantastischen Rundumblick und einen ersten Blick auf das Clubhaus zum Ende der Runde. Trotz des Längenvorteils durch den erhöhten Abschlag ist diese Bahn mit bis zu 456 Yards sicherlich ein weiterer Tester für jeden Golfer. Das Schlussloch, ebenfalls ein Par 4 mit bis zu 350 Yards, beginnt mit einem blinden Teeshot, zudem verengt sich das Fairway in der Drivelandezone. Zum Grün hin steigt das Fairway leicht an, ein Hügel hinter dem Grün trennt das Schlussloch von den Übungsflächen und dem Clubhaus.

 

Nicht nur aufgrund des ohnehin im Greenfee enthaltenen 5 Pfund-Vouchers sollte man unbedingt einen Besuch im Clubhaus einplanen. Die Speisekarte bietet alles, was das Golferherz benötigt und auch die Qualität der Speisen und Getränke hat uns überzeugt, das Preisniveau ist fair. Sehenswert ist im hinteren Teil des Restaurants die Vitrine mit zahlreichen Exponaten und Memorabiliae rund um die hier ausgetragenen Ryder Cups. Und so kann man einen – wenn denn das eigene Spiel entsprechend von Erfolg gekrönt war – einen fantastischen Golftag in einem sehr gastfreundlichen Club mit einem traditionsreichen und anspruchsvollen Links Course in aller Ruhe ausklingen lassen.

 

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